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Lebenslauf
L E B E N S L A U F

Andres Kreienbühl,
geboren 1953
in Basel

Ausbildung in Basel

Weiterbildung in Madrid, Sevillia, Paris und Düsseldorf

1988 Gründung eines Design-Aterlier in Zürich um so finanziell unabhängigt vom Kunstmarkt malen zu können.

Konturzeichnung als Sehhilfe
Büchse der Pandora (Oelbild auf Leinwand) Ohne Titel (Aquarell) Ohne Titel (Tuchezeichnung) Leerform (Siebdruck) Eule (Skulptur aus Papiermaché)

Jean-Paul E. Stein
WICHTIG IST ZU SEHEN, NICHT GESEHEN ZU WERDEN
Andres Kreienbühl - oder die Wiedererfindung der Malerei

    Wird das 21. Jahrhundert wieder zur Malerei zurückkehren? Ist das Jahrhundert der “Moderne” vorbei, ein Jahrhundert der Zeichnungen und der Zeichen, der Verirrungen der Massen, der Träume von der Moderne – was immer das auch ist? Ein ganzes Jahrhundert als Verirrung des Geistes im Materiellen, im Trivialen, alles vorbei? – Oder doch nicht? Ist die Aufklärung am Ende oder geht es in die nächste Runde?

    Jedenfalls im Werk von Kreienbühl ist nichts, gar nichts, geblieben vom 20. Jahrhundert, von dem “Aufstand der Massen”, von den grossen Ideen und Kriegen. Er geht nahtlos vom 19. ins 21. Jahrhundert über. Die Pamphlete der Moderne, die Kunstanweisungen etc. hat er oder will er nicht gehört haben. Die malerische Kraft von Titian, John Constable, William Turner, Eugène Delacroix, der Geist von Jean- Jacques Rousseau, die Gedichte von Hölderlin und die Religiösität bei Klopstock sind seine Werte, ohne Effekte und Gefälligkeiten.

    Joseph Beuys als Erneuerer der Kunst anerkennend, erfindet Kreienbühl die Malerei wieder, mit der klaren Absage an einen anderen Zweck, als eben den der Malerei. Oder – einfach Malen ist wichtig, ohne Ziel und Absicht. Das Produkt entsteht durch den Geist der Malerei und wird so ein Geisteswerk ohne Grenzen, offen für die Natur des Lebens, ohne Umrandung. Wie Farbe an Farbe, Emotion an Emotion ohne die Begrenzung einer Linienzeichnung oder einer klaren Form, so ist der Inhalt der Bilder nur individuell und im Erlebnis des Schattens und der Lichter der eigenen Fantasie, so wie die tägliche Erinnerung an das Drama und das Schöne des Lebens, zu verstehen.

    Verkäufer, Käufer, Museen, Galeristen, Künstler, der Staat, die Wirtschaft, Patronate, die neuen Mäzenen, Kunst-Marketing, Käuferverhalten, der Umschlagplatz, die Galerie, alles dies darf nicht relevant sein, wenn der Maler seine innovative progressive Freiheit erreichen will. Die Autorität von Galeristen und deren Kunden ist sowieso fraglich und begründet sich doch meist auf schon gesehenem und trendigem. Neue Wege der Künster bleiben so im kommerzielen Kompromis stecken. Für den Verkauf von Kunst an die vielleicht blos ein bis zweitausend interessierten Augen ist der Weg über das Internet sicher so gut wie alle bisherigen Verkaufs- oder Ausstellungsorte. Der Markt, das Kunst-Business in unserer "Gesellschaft" hat Formen angenomen, da ist die miese und verachtende Behandlung von lebenden Künstlern und deren hoffentlich baldige Ableben, in Sachen Zynismus und Gier, kaum mehr zu überbieten.

    In seinem Atelier, alleine nur mit diesem Geist der Malerei und den Farben, entstehen Bilder, die voll von Wesen und Geschichten sind. Die Stille, die Ruhe, die zur Malerei gehören, sind ihm wichtig, ohne den zelibrierten Pathos. Die Farbwelt ist die der gedämpften, abgetönten und sensiblen Kolorierung.

    Auf den ersten Bilck sind die Bilder von Kreienbühl nebulös. Reine Farben, die Zeichen der Moderne, des Event-Art und alles grelle, schrille der heutigen Kunstwelt fehlt in seinen Werken. Seinen Bildern fehlt im ersten Blick jegliche Gegenständlichkeit oder ein Motiv. Bei genauer Betrachtung sind die Bilder aber voller Tiere, lieber Wesen, Pflanzen und surrealen Landschaften.

    Die Bilder sind handgemalt, sie beziehen ihre Wirkung aus den Pinselbewegungen, die rein zufällig wirken. Sicher ist: mit diesen Malereien ist Kreienbühl vom 20. Jahrhundert mit seinen zeichnerischen Zauberzeichen, scherenschnittartigen Formsprachen und der kalligrafischen Bilderwelt weit entfernt. Das lineare, klare und gestalthafte einer Figur findet sich nicht auf Kreienbühls Bildern. Es gibt kein Formenvokabular. Nur in den Werken die er die “Büchse der Pandora” und die “Leerform” nennt, ist eine Art Form da, eine Form die aber in sich wieder eine Malerei in der Malerei ist.

    Den Inhalt seiner Bilder zu sehen, fehlt uns jegliche Übung. Diese malerische, poetische, visuelle Sprachform ist uns fremd. Wir wollen Licht bringen ins Halbdunkle und Dunkle. Kreienbühl liebt gerade diese vielen bunten Zwischentöne, die nicht fertig definierte Welt und entwickelt durch einen malerischen Farbauftrag Bilder, die voller Leben sind, für den, der sehen kann.

    Der fliessende Farbauftrag, die Farbpalette aus der Vergangenheit, die Farben ohne Kontur, das wie zufällig wirkende Bild, brauchen viel Einfühlungsvermögen. Eine Umgewöhnung der Sicht von Farbe, die durch das Sehen einer neuen Art von vergessenen Welten und Wesen belohnt wird und fasziniert.

    Dieser Text ist der neuen, wiedererfundenen, totgeglaubten Malerei gewidmet. Wie Beuys die Kunst neu erfunden hat, meldet sich hier die Malerei zurück, der Anfang einer anderen Malerei. Marcel Duchamp sagte einmal: “Dass nun, da die Generäle nicht mehr zu Pferde sterben, die Maler auch nicht mehr vor ihrer Staffelei zu sterben brauchen”. Dies hat sich wohl doch nicht geändert – die Maler sind keine Generäle, also sterben sie vor ihrer Staffelei.

Paris, 22. Januar 2000
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